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macghillie -- just a void

 

«Als leere Engel, Geschöpfe ohne Schöpfer, Medien ohne Nachricht schreiten wir am Rande des Abgrunds einher. Unser Weg, der ebenso gut gestern oder Jahre zuvor hätte enden können, ist nicht das Ziel und weiss nichts von der Notwendigkeit, ausser der seiner Kontingenz. Ein Irrweg trägt uns auf den Pfaden des Identischen vom Selben zum Selben: wohin wir auch gehen, wir schleppen in uns die Wüste, in die wir uns zurückgezogen haben. Und wenn wir manchen Tags schwören könnten, "das ganze All" zu sein, wie Agrippa von Nettesheim, oder noch einfältiger "alle Dinge, alle Menschen und alle Tiere", wie Cravan, so weil wir in allem nur das Nichts sehen, das uns so vollständig ausmacht.

Aber das Nichts ist das vollkommen Reale, vor dem alles, was besteht, geisterhaft wird.»

 

 

macghillie -- just a void

http://macghillie.krcf.org

 

Zürich, Dienstag, den 25.11.2008; 11.00 - 15.00 Uhr

Zürich, Mittwoch, den 26.11. 2008; 07.00 - 11.00 Uhr

Zürich, Donnerstag, den 27.11.2008; 12.00 - 16.00 Uhr

Zürich, Freitag, den 28.11.2008; 17.00 - 21.00 Uhr 

 

 

24.11.2008, 13 Uhr 45

“He obviously passed our system,” said a spokesman, ” we were unable to detect him.This is not a weakness in our system.”

 

Der Dadaist Arthur Cravan schrieb 1912 in der Zeitschrift «Maintenant» zu seiner Person: «Ich bin alle Dinge, alle Menschen und alle Tiere». Sechsundneunzig Jahre später taucht parallel zur Ausstellung «CRAVAN» in der Krypta des Cabaret Voltaire die Figur macGhillie auf. Wer ist macGhillie, wenn Cravan alle und alles war?

macghillie geht um in Zürich. Ohne Ziel, ohne Intention, ohne Zweck zieht es durch die Stadt. Völlig unbestimmt ist nicht nur, was es hier macht, sondern auch, was es ist. Nicht Mann, nicht Frau, nicht alt, nicht jung, weder bedrohlich noch niedlich. macghillie entzieht sich jeder Einordnung. Es ist einfach zu sagen, was es nicht ist, aber schwer zu bestimmen was es ist. Wie lange kann das gut gehen in einer Stadt, in der alles eingeordnet und optimiert ist. Gibt es Platz für etwas, das nichts sein will?

Und es?

Es ist hier, dort und da.

Was wäre, wenn die Spuren unserer urbanen Präsenz in Grenzbereiche der Aufmerksamkeit entschwinden? Was wäre, wenn man Unsichtbarwerden als soziale Handlungsstrategie propagiert, die es gilt einzuüben und zu praktizieren? Was wäre, wenn wir den Überwachungsmanien Kulturtechniken entgegensetzen, mit denen wir uns an unsere Umgebung so konsequent adaptieren und darin integrieren, dass wir unbemerkt beobachten, handeln und kommunizieren können?

Es ist ein Projekt, das in Grenzbereichen urbaner Wahrnehmung das Phänomen der  gleichzeitigen Sichtbarkeit/Unsichtbarkeit/Nichtsichtbarkeit untersucht. Eine Figur in einem atavistischen  Tarnanzug („Ghillie Suit”) streift ziellos tagelang durch urbanes Gebiet, beobachtet das alltägliche Treiben stetig aus intentionsloser  Distanz. Ghillie Suits haben ihren Ursprung in der Jagd. Solche Anzüge wurden zuerst im 19 Jahrhundert in Schottland getragen. In den dortigen baum- und bewuchslosen Highlands suchte man nach Möglichkeiten der unerkannten Annäherung an Tiere.

macghillie ist eine Leerstelle. Niemand will es sehen. Selbst wenn man es sieht,  bleibt es eine sinnlose Figur, weder Wesen, noch Individuum, keine Persönlichkeit, niemand will ihm Bedeutung zuschreiben. Es wird beiseite geschoben, bloss eine vage Assoziation mit einen Paintballspieler unter einem anachronistischen Tarnanzug, ohne Kampfeinheit, oder eine unklare Erinnerung an ein, dem Beschützerkind  entlaufenes Knuddelmonster, oder an einen misslungenen Science Fiction Held, gefallen aus seinem Plot. macghillie lässt die Zuschreibungen ins Leere laufen. Auch Wiedererkennungen fügen dem nichts hinzu.

macghillie wird über 5 Tage im Stadtraum präsent sein. Zumeist wird es sich in die Umgebung, dem Beton, Asphalt, dem wenig verbliebenen Brachland qua seiner Camouflage nahtlos einfügen. Unmerklich sichtbar wird es immer, wenn es sich bewegt, im ständigen Wechseln seiner teilnahmslosen Beobachtungs-positionen.  macghillie ist nicht von empirischen Überprüfungen abhängig. Weder Überwachungskameras, noch Passanten verhandeln seine Aufmerksamkeit.

Nichtsichtbarkeit ergibt sich nur in einer Verschränkung des Sichtbarem mit dem Unsichtbarem, in der Relativierung des Wahrzunehmenden zu den angewandten Mitteln und Medien. Technologien sind Mittel, um Objekte dem obskuren Raum des Unsichtbaren zu entreißen, sie ins Sichtbare der funktionalen Zusammenhänge zu werfen; doch sie versagen in Anbetracht einer „Blindheit beim Sehen”. Was nicht gesehen werden will, entzieht sich unserer Kenntnis.

macghillie wird unterstützt von krcf, felix stalder und cabaret voltaire zürich

 

24.11.2008, 12 Uhr 00

dank an:                                                                                                                                                            macghillie,  Andalus, Philipp Zuber                                                                                                            Christoph Oeschger u. Till Forrer (foto)                                                                                                    

Fabian Voegeli(blog)                                                                                                                                            Samuel Barclay B., (stimme des namenlosen)                                                                                                      Les Jardins des Pilotes (konspiratives wissen)